Die Bremsbeläge bei dem kleinen Elch zu wechseln ist eine Routinearbeit, aber auch der Wechsel der Bremsscheibe je Rad
ist unkompliziert. Eine Warnung hingegen vorneweg: Wer sich im Wechsel der Brembeläge und Bremsscheiben bei seinem Kleinen nicht sicher ist,
sollte den Wechsel nur unter Inanspruchnahme qualifiziert-fachlichen Rates vornehmen oder eine Kfz-Werkstatt damit beauftragen. Für die
Bremsscheiben gilt ferner: Wer einen Volvo 480 fährt der älter als Bj. 1990 ist, muss ggf. auch das jeweilige Radlager wechseln
bzw. dieses von der alten in die neue Bremsscheibe pressen, was aber nur mit einer Profi-Presse, wie sie etwa in Kfz-Werkstätten zu finden ist,
bewerkstelligt werden kann!
Unten im Bild ist eine nicht gleichmäßig abgefahrene Bremsscheibe zu sehen. Solches kann an den Bremsbelägen selber liegen
oder – was seltener der Fall ist – an einer ungleich ebenen Bremsscheibe. Um allen Spekulationen den Weg zu versperren, war in diesem
Wartungsschritt der Wechsel von Bremsbelägen UND Bremsscheibe vorgesehen.
|
1. Wechsel der Bremsbeläge
Um an die Bremsbeläge zu kommen, wie hier an dem Bsp. des linken Rades hinten gezeigt, ist zunächst das Rad zu lösen. Die Handbremse
übrigens darf nicht angezogen sein! Es ist ratsam, den Handbremszug vom Bremssattel zu lösen. Als nächstes ist der Bremssattel an den beiden Bremssattelbefestigungen zu lösen. Die
Bremssattelbefestigungen wünschen einen Imbus-Schlüssel der Größe 7, nachdem ihr Plastikschutz vorher abgezogen worden ist.
|
Ist der Bremssattel gelöst, hängt er nur noch an der Bremsleitung, womit Vorsicht angesagt ist, auf dass die Bremsleitung nicht übermäßig belastet wird (bspw. durch Knicke, Überdrehungen usw.). Nunmehr können die Bremsbeläge herausgenommen werden. Der nach innen zum Fahrzeug liegende Bremsbelag zeichnet sich durch einen Kontaktpol zur Bremsscheibe aus ( = Abnutzungswarnung). Der linke Belag besitzt keine Kontaktstelle und ist mit Lösung der Halteklemme vom Bremssattel abzunehmen.
Das untere Bild zeigt einen abgefahrenen und einen neuen Bremsbelag; beide Beläge zeigen keine Kontaktstelle auf ihrer Abriebsfläche und sind daher linksseitig des Bremssattel mit der Halteklemme befestigt. Der alte Bremsbelag zeigt übrigens deutliche Bruchstellen an seiner oberen Kante, was dem Bild der Bremsscheibe (s.o.) entspricht.
|
Wer seinem Bremssattel Gutes tun möchte, entfernt dessen Oberflächenrost. Dabei kann auch die eigentliche Bremssattelhalterung vom Fahrzeug abgeschraubt werden und eine Reinigung erfahren. Im Bild unten ist die (abgeschraubte) Bremssattelhalterung dargestellt. |
In den Bremssattel werden jetzt die neuen Bremsbeläge eingesetzt. Oftmals passiert es nun, dass sich der
Bremssattel mit seinen neuen Belägen nicht mehr über die Bremsscheibe ziehen läßt. Hier kommt nun die oben im zweiten
Bild dargestellte Justierschraube in's Spiel. Wieder mit einem Imbus ist derer erste Schraube zu lösen, um dann mit einem Standardschraubenzieher
im Innern des Justierschraubendurchgangs die Breite der Bremsscheibe einzustellen. Es ist ratsam, die Justierschraube so weit zu lösen,
daß der Sattel problemlos über die Bremsscheibe gezogen werden kann und erst wenn der Sattel wieder befestigt woden ist, die Justierung
soweit vorzunehmen, als dass die Beläge „fast“ auf der Bremsscheibe schleifen. Wird nun noch das Handbremsseil wieder
eingehängt und das Rad montiert, kann eine Testfahrt vollzogen werden. Da die Bremsbeläge grundsätzlich an beiden Rädern je
Achse gleichzeitig gewechselt werden (sollten), dürften sich keine Bremsprobleme einstellen. Ggf. – soweit andere Fehler der Bremsanlage
auszuschließen sind! – können die Bremsbeläge auch jetzt noch manuell mittels der Justierschraube zur Bremsscheibe hin
oder von dieser weg eingestellt werden. |
2. Wechsel der Bremsscheibe (hinten)
Sind Rad, Bremssattel und Bremssattelhalterung abmontiert, muß die Befestigung der Bremsscheibe an der Radnabe gelöst werden. Zunächst ist hierzu
die Radnabenabdeckung zu entfernen, um an die Befestigungsmutter der Bremsscheibe an der Achse zu gelangen. Beim Lösen der Radnabenabdeckung
ist Vorsicht und etwas Geschick angesagt, da sie möglichst keine Verformungen erfahren darf.
|
Mit einer Ratschen-Nuss (Größe 27, ggf. 26) wird die (selbstsichernde) Mutter der Bremsscheibe gelöst. Jetzt kann die Bremsscheibe
einschliesslich dem in ihr innenliegenden Radlager „mit Gefühl“ von der Achse abgenommen werden. Das folgende Bild zeigt die
innere Seite der abgenommenen Bremsscheibe einschließlich dem Radlager. |
Zum Verständnis: Das Radlager ist in die Bremsscheibe derart fest eingepresst, als dass sich NIEMALS die Bremsscheibe um das Radlager
drehen kann! Andererseits sind Bremsscheibe samt Radlager (zwangsläufig) um die Hinterachse drehbar – der Volvo 480 ist ein
Fronttriebler. Bei den neueren Volvo 480 ist das Radlager fest mit der Achse montiert, womit sich der Bremsscheibenwechsel einfacher
handhaben läßt.
Soweit der neuen einzusetzenden Bremsscheibe nicht schon ein Radlager immanent ist, muss das Radlager der alten Scheibe in der Werkstatt ausgepresst
werden, um es sodann in die neue Bremsscheibe einpressen zu können – solches kann, muß aber nicht immer gelingen... Ist der
Radlagerwechsel vollzogen, kann jetzt die neue Bremsscheibe eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei das Drehmoment, mit der die neue Scheibe an die
Achse aufgesetzt wird. Einerseits darf nämlich das Radlager bei zu starkem Anzug nicht in Mitleidenschaft genommen werden, andererseits darf
kein Spiel zwischen Achse und Bremsscheibe bestehen. Die Werkstatt-Angaben von Volvo liegen bei 220 Nm, andere Werkstatt-Tabellen geben
nur 160 Nm bis 180 Nm an. Mit 200 Nm sollte (erfahrungsgemäß) ein guter Mittelwert getroffen sein – der Werkstattmeister sagt
dazu lapidar: „Mutter feste zudrehen...“. Eine neue Sicherungsschraube sollte hierbei nicht verkehrt sein, ebenso das penible Reinigen
des Gewinde mit Bremsenreiniger. Nun kann alles umgekehrt wieder angebaut werden: Radnabenabdeckung, Bremssattelhalterung, Bremssattel, Rad. Bei der Testfahrt und später bei Kurvenfahrten sollte ein Ohr immer bei den hinteren Rädern liegen... |
Ist die neue Bremsscheibe anmontiert, sieht das Ergebnis, einschließlich neuer Bremsbeläge, so aus: |